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Stress lass nach – Was in Deinem Körper passiert, wenn etwas passiert

Stress ist nichts anderes als eine natürliche Reaktion auf Reize, Herausforderungen und Belastungen. Hierbei geht es nicht nur um wahre, sondern auch um interpretierte Bedrohungen bzw. Belastungen. Eine wahre Bedrohung, welche fast alle als bedrohlich erfahren würden, wäre z.B. ein Überfall, Unfall oder eine Naturkatastrophe. Eine interpretierte Bedrohung bedeutet, wie ich die Situation einschätze und interpretiere. So gibt es Situationen, die eine Person als angenehm und stressfrei wahrnimmt, wohingegen eine andere Person bereits starke Stressanzeichen zeigt, da sie sich bedroht fühlt.

Ich zum Beispiel habe eine Phobie vor fetten Kellerspinnen, die kleinen Spinnen sind kein Thema, die großen fetten, schwarzen, behaarten Teile jedoch lösen in mir eine starke Stressreaktion aus. Ich kenne auch Menschen, welche solche Spinnen als Haustiere halten und entspannt bleiben, aber auch Menschen, welche bereits bei kleinen Spinnen panisch werden. Das zeigt, dass wir Situationen unterschiedlich interpretieren und daraus unterschiedliche Reaktionen entstehen. Somit hat Stress sehr viel mit der Bewertung einer Situation zu tun.

Wird die Situation als belastend wahrgenommen und übersteigt ein Stressor einen gewissen Schwellenwert so kommt es zu einer entsprechenden Stressreaktion. Es werden die Stresshormone Adrenalin und Kortisol ausgeschüttet. Adrenalin wird innerhalb von Millisekunden ausgeschüttet und führt zu einer raschen Aktivierung des Kreislaufs. Die Herzfrequenz steigt an, die Blutgefäße werden verengt, die Bronchien werden erweitert und das Atemvolumen erhöht. Durch die Erhöhung der Atemleistung und des Blutflusses wird der Sauerstofftransport zu Muskulatur, Herz und Gehirn verstärkt. Fettsäuren werden freigesetzt und Glykogen wird zu Zucker abgebaut, wodurch der Blutzucker- und Blutfettspiegel ansteigt.

All das führt zu einer erhöhten Bereitstellung von Sauerstoff und Nährstoffen, um den Energiestoffwechsel zu unterstützen und entsprechend handlungsfähig zu sein. Die Verdauung wird gehemmt, denn das Verdauen des Frühstücks spielt beim Weglaufen vor dem Tiger keine Rolle. Es kann sogar zu Akutentleerungen in Form von Durchfall und Erbrechen kommen: Je weniger Gewicht bei der Flucht getragen werden muss, umso besser. Für eine bessere Thermoregulation werden die Schweißdrüsen aktiviert und bei akutem Stress wird das Immunsystem aktiviert. Noradrenalin führt zusätzlich zu einer Erhöhung der Aufmerksamkeit, einer Verhaltensaktivierung und einer Aktivierung von aversiven Gedächtnisinhalten – d.h. vor allem negative Erfahrungen werden nun vermehrt abgerufen.

Die Adrenalin-Achse wird vor allem bei kurzfristigem physischen und/oder psychischen Stress aktiviert und erhöht die Arbeitsleistung, um rasch kämpfen oder fliehen zu können. Die Ausschüttung von Kortisol wird durch die Blutbahn vermittelt, wodurch diese ungefähr drei Minuten nach Wahrnehmung eines Stressors eintritt. Die Kortisol-Achse unterstützt die Wirkungen der Adrenalin-Achse. Im Gegensatz zum Adrenalin hemmt Kortisol jedoch Entzündungsreaktionen und Teile des Immunsystems. Bei kurzfristigen und leichten Stressoren muss es nicht zwingend zu einer Kortisol-Ausschüttung kommen, jedoch spielt die Kortisol-Achse eine wesentliche Rolle bei chronischem Stress, welcher zu schwerwiegenden physischen und psychischen Pathologien führen kann.

Beispiel:

Ein Fallschirmspringer, der freiwillig mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug abspringt, zeigt im Augenblick des Absprungs ein Maximum an Furcht, Adrenalinkonzentration und Anstieg der Herzfrequenz. Das Maximum an Kortisol im Blut ist erst etwa 20 bis 30 Minuten nach dem Absprung erreicht. Aufgrund der negativen Rückkoppelungsmechanismen, welche die Stressachsen Aktivität wieder hinunterregulieren, ist bei solch einem zeitlich begrenzten Stressor eine entsprechend zeitlich begrenzte Stressreaktion zu beobachten. Wurde die Herausforderung bewältigt, kann der Organismus wieder in den Ursprungszustand zurückkehren.

Ziel dieser Stresshormonreaktion, während und nach dem Erleben eines Stressors, ist die Wiederherstellung des Gleichgewichts. Die Kortisol-Achse stellt hierbei wahrscheinlich eine zweite Abwehr- und Anpassungsstrategie des Körpers gegen Stress dar. Denn die Kortisol Reaktion unterstützt die Erholung und Rückkehr in den ursprünglichen Zustand. Dies geschieht durch einen negativen Rückkoppelungsmechanismus: Bei hohen Kortisolwerten im Blut kommt es im Gehirn zu einer Hinunterrunter-Regulierung der Kortisol-Achsen Aktivität. Dadurch wird einer weiteren Ausschüttung von Kortisol entgegen gewirkt.

Somit ist sowohl die Adrenalin-, als auch die Kortisol-Ausschüttung eine wichtige Anpassungsstrategie an Herausforderungen. Stress ist nicht per se böse, sondern ein wichtiger Mechanismus, um mit Veränderungen zurecht zu kommen. Hierzu zählen nicht nur Belastungen, sondern ebenso positive Erlebnisse.

Beispiel:

Claudia (7 Jahre alt) muss mit ihren Eltern umziehen und die Schule wechseln. Sie hat Angst vor der Veränderung und möchte nicht in die neue Schule gehen. Sie hat die Tage um den Umzug nur wenig Appetit und ist oft traurig. Die ersten zwei Schultage klagt Claudia über Kopfschmerzen. In der Schule lernt sie jedoch schnell neue Kinder kennen, mit denen sie spielt. Claudia ist bereits am dritten Tag im neuen Zuhause wieder fröhlich und auch ihr Appetit ist zurückgekehrt. Sie hat sich an die Veränderungen gut anpassen können und Strategien entwickelt, um damit umzugehen. Claudia hat aus dieser Situation gelernt, dass Veränderungen auch etwas Gutes haben können. Sie wird auch zukünftig offen auf Neues zugehen.

Problematisch wird es bei chronischem Stress wie zum Beispiel Mobbing, Krankheit, Armut, ständiger Überforderung oder sehr intensivem Stress wie bei einem traumatischen Erlebnis von Gewalt, Lebensbedrohung, Unfall etc. Hierbei kann es zu einer chronischen Aktivierung der Stress-Achsen Aktivität kommen und der negative Rückkoppelungsmechanismus funktioniert nicht mehr. Die Folge sind chronisch erhöhte Kortisolwerte, welche zu pathologischen Veränderungen führen.

Beispiel:

Anna (7 Jahre alt) muss mit ihren Eltern umziehen und die Schule wechseln. Anna fühlt sich dadurch gestresst, sie möchte nicht in die neue Schule gehen. Im neuen Zuhause zieht sich Anna oft zurück und ist nicht mehr so fröhlich, wie sie es früher war. Die neue Schule findet sie doof, die anderen Kinder lassen sie nicht mitspielen. Anna spricht kaum noch und ist oft krank, sie klagt immer wieder über Bauchweh und Kopfweh. All das sind typische Anzeichen von chronischem Stress: Durch die Drosselung des Immunsystems und der Verdauung ist Anna krankheitsanfälliger geworden und hat häufig Magen-Darm-Beschwerden. Eine chronische Aktivierung der Kortisol-Achse fördert die Entstehung von Depression und Angstzuständen. Anna kann sich an die Veränderungen nicht anpassen und zeigt eine chronische Stressreaktion. Nur durch soziale Unterstützung und Eingreifen von außen wird es Anna schaffen, mit den neuen Herausforderungen zurechtzukommen.

Stressmanagement beschreibt hierbei den Aufwand, der notwendig ist, um mit einer Herausforderung zurechtzukommen. Hierzu erfährst Du im nächsten Beitrag mehr.

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Literatur

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McEwen, B. S. (2000): The neurobiology of stress. From serendipity to clinical relevance. In: Brain research, 886. Jg., Heft 1–2, S. 172–189.

McEwen, B. S./Wingfield, J. C. (2003): The concept of allostasis in biology and biomedicine. In: Hormones and Behavior, 43. Jg., Heft 1, S. 2–15.

Koolhaas, J. M. et al. (1999): Coping styles in animals: current status in behavior and stress-physiology. In: Neuroscience Biobehaviour Review, 23. Jg., Heft 7, S. 925–935.

Rensing, L. et al. (2006): Mensch im Stress. Psyche, Körper, Moleküle. Springer Spektrum, Berlin/Heidelberg.

Sapolsky, R. M. et al. (2000): How do glucocorticoids influence stress responses? Integrating permissive, supressive, stimulatory and preparative actions. In: Endocrine Reviews, 21. Jg., Heft 1, S. 55–89.

Selye, H. (1951): The general-adaptation-syndrome. In: Annual Review of Medicine, 2. Jg., Heft 1, S. 327–342.

Alles Liebe und bis bald, Iris
Iris Schöberl

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